ARTIST STATEMENT

Im künstlichen Raum des Bildes untersuche ich die transformatorischen und sinnlichen Qualitäten des natürlichen Lichtes im Übergang vom Bildraum zum realen Raum.

Mein künstlerischer Ansatz beinhaltet die Fragestellung nach der Bedeutung des Raumes, der sich im Bild manifestiert. Diesen wünsche ich zu öffnen, aufzulösen und dadurch neu zu definieren. Als Analogien schaffe ich Flächen, die sich berühren, überlagern und in denen ein Übergang zum Körperlichen sichtbar wird. Sie sind gerissen, fest und starr, weich oder auflösend. Mein Anliegen ist ein sinnliches, fühlbares Erfahren von Bildraum.

Mich beschäftigt die Frage, wie sich der illusionistische Bildraum in Verbindung mit der Architektur und weiter mit dem Außenraum durch die Einflüsse des natürlichen Lichtes transformiert. Der Raum des Bildes bedeutet für mich eine Kumulation geistiger und körperlicher Entscheidungen, die sich mit dem architektonischen Raum verbinden und öffnen zum realen Raum der Natur und ephemerer Zustände wie Lichtsituationen, Bewegungen und Geräuschen.

Auseinandersetzung mit dem „Riss“

Der Riss oder Schnitt stellt für mich eine Linie dar, eine Arabeske, die die Möglichkeit einer Erweiterung, Ausdehnung oder eines Inne-Haltens einbezieht. Ein Riss im Papier – nachgefühlte Zeichnungen von Körpern in Bewegung – öffnen das Material und ein inneres Licht und Raum zwischen den Papierbahnen variieren je nach Tageslichtsituation und der Bewegung des Betrachters. Ein Riss bedeutet nicht nur etwas Zerstörtes, sondern auch die Möglichkeiten von Erweiterung, Innehalten, Durchlässigkeit. 

Temporäre Papierinstallation

In hängende oder stehende Papierbahnen schneide oder reiße ich Linien, beobachte deren Öffnen und Fallen, deren Spannung zueinander. Das zweidimensionale Papier, eigentlich Träger von Information oder Schrift, öffnet sich ins dreidimensional Räumliche und die Fläche wird zu einer Skulptur. Das Licht in den Arbeiten ist nicht greifbar, sondern fühlbar und entzieht sich einer direkten Bestimmtheit. Das natürliche, sich verändernde Tageslicht öffnet, ähnlich einer “malerischen Sonnenuhr“, die dem Bild innewohnende Räumlichkeit. 

Auch bei den mit Maschinenöl grundierten Papierbahnen ist mein Anliegen, Bildhaftes von Außen wie Asphalt, Schatten, Stein, Erde in ihren Oberflächen in den Innenraum zu bringen und poetische Versatzstücke so im Raum zu installieren, dass Faktoren wie Höhe, Breite, Linien, Kanten, Flächen sowie Tageslichtkomponenten des Ausstellungsraumes betont werden. Die mit Maschinenöl grundierte Oberfläche gibt vor, dass es ein anderes Material wie Stahl, Stoff, Seide sein könnte, ist teilweise transluzent, malerisch grundiert und bewegt sich durch den Betrachter im Raum, obwohl es schwer und satt wirkt. 

Installationen entstehen meist vor Ort und sind temporär angelegt.

Malerei

In der Malerei mit Ölfarbe schiebe und forme ich das Material der Farbe, um ein Gesamtlicht zu erhalten, das das Bild trägt. Das natürliche Licht schält sich in die Farbschichten und verändert das Bild je nach Blickwinkel und Tageszeit.

Die Malerei mit Tusche lässt das Material des Trägergewebes noch deutlicher werden. Das Licht kommt nicht nur von außen, sondern auch von dem Grundton des Gewebes oder der Grundierung.

Meine Bildtitel

Bildtitel benennen in lyrischer Weise Momente der Erinnerung an reale Gegebenheiten sowie an Bewegung und Veränderung von Zuständen, u.a. “Der Morgen schält den Asphalt”, “Ihre Schritte begleiten den Asphalt der Straße”, “Schnellen Schrittes verändert sich der Abstand zwischen ihr und der alten Frau”, “Masse, Risse, Staub”, “Beim Zuhören neige ich mich zu dir hin”.

Mein Anliegen ist, dass der Betrachter die Arbeit durch seine Bewegung und seinen inneren Blick erfasst, sodass eine gefühlte Annäherung an das Bild stattfindet. Rohes, Fragmentiertes, die Schönheit von unschönen Farben entsprechen meiner Wahrnehmung der Welt, derer ich mich nur durch einen Versuch nähern kann, die sich gleichzeitig einer vollendeten Definition entzieht.

 

In the artificial space of the image, I am investigating the transformational and sensual qualities of natural light in the transition from image space to real space.

My artistic approach includes questioning of the significance of the space that manifests itself in the image. I wish to open it up, break it down and thereby redefine it. As analogies, I create surfaces that touch, overlap and in which a transition to the physical becomes visible. They are torn, firm and rigid, soft or disintegrating. My concern is a sensual, tangible experience of pictorial space. I am concerned with the question of how the illusionistic image space is transformed in connection with the architecture and further with the exterior space through the influences of natural light. For me, the space of the image means an accumulation of mental and physical decisions that connect with the architectural space and open up to the real space of nature and ephemeral states such as light situations, movements and sounds.

Dealing with the “tear” The tear or cut represents a line for me – an arabesque that incorporates the possibility of expansion, extension or pausing. A tear in the paper – sensed drawings of bodies in motion – opens up the material and an inner light and space between the paper webs vary depending on the daylight situation and the movement of the viewer. A tear does not only mean something destroyed; it can also represent the possibilities for expansion, pausing, permeability. 

Temporary paper installation I cut or tear lines into hanging or standing paper webs, observe their opening and falling, their straining against each other. Two-dimensional paper, a carrier of information or writing, opens up into three-dimensional space and the surface becomes a sculpture. The light in the works is not tangible but is palpable and eludes direct determination. The natural, changing daylight, like a “painterly sundial”, opens up the spatiality inherent in the image. For paper webs primed with machine oil as well, my concern is to bring pictorial elements from the outside, such as asphalt, shadow, stone or earth into their surfaces, into the interior and to install poetic set pieces in the space in such a way that factors such as height, width, lines, edges, surfaces as well as daylight components of the exhibition space are emphasised. The surface primed with machine oil pretends that it could be another material such as steel, fabric, silk; it is partly translucent, primed in a painterly fashion and moves through the viewer in the space, although it seems heavy and saturated. Installations are typically created on site and are temporary.

Painting When painting with oil paints, I push and shape the material of the paint to achieve an overall light that carries the painting. The natural light peels into the layers of paint and changes the picture depending on the angle of view and time of day. Painting with ink makes the material of the support fabric even more apparent. The light comes not only from the outside, but also from the base tone of the fabric or the primer. 

My image titles The titles of the images lyrically identify moments of recollection of real circumstances as well as of movement and change of states: some examples include “Der Morgen schält den Asphalt” (“Morning peels the asphalt”), “Ein Versuch, ein Wort zu finden” (“An attempt to find a word”), “Schnellen Schrittes verändert sich der Abstand zwischen ihr und der alten Frau” (“Quickly the distance between her and the old woman changes”), “Der Himmel faltet sich ein” (“The sky folds in”). My concern is that the viewer grasps the work through his movement and inner gaze, so that a felt approach to the painting takes place. Raw and fragmented, the beauty of unsightly colours corresponds to my perception of the world, which I can approach only by attempting to do so and which at the same time eludes a consummate definition.